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Erstellungsdatum: 13.-30.08.1998

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Fremdautor: Karl-Erich Weber

Bemerkungen: CP-Test: S15E Praxistest

 

 

 

@-DZ10:

@-HD24:

Siemens S15E - Allroundgenie mit Blackout

 

@-VOR-RRubrik: MÜNCHEN:

@-VORSPANN: Ein Handy ist für den Fachhändler heutzutage genauso ein Arbeitsmittel wie Fax und Internet. Aber nicht nur, denn immer öfter finden sich neben Softwarepaketen und Modems, Mobiltelefone im Warensortiment. Höchste Zeit für einen Test des langerwarteten Alleskönners von Siemens. Ob das S15E die Erwartungen erfüllt, hat ComputerPartner genauer untersucht.

@-BT: Die kompakte, attraktive Verkaufsverpackung enthält außer dem Dualband- (E- und D-Netz) Handy mit dem Standard 650-mAh-NiMH-Akku auch noch Ladegerät und Gürtelclip, sowie die 30-seitige Bedienungsanleitung.

Die Montage des Gürtelclips erinnert an die Steinzeit des Mobiltelefons. Wie der schwarze Aufkleber auf der Gehäuserückseite entfernt werden soll ohne Messer oder andere gefährliche Gegenstände zu verwenden bleibt unerklärt. Warum das danach, noch vor der ersten Inbetriebnahme, zwangsläufig zerkratzte, nagelneue Gehäuse überhaupt mit einer Schraube malträtiert werden muß auch. Das Einlegen der kleinen SIM-Karte klappt noch recht ordentlich, dieselbe zu entfernen ist allerdings nichts für schwache Nerven. Solch ein Gefummel haben die skandinavischen Mobilfunkhersteller schon lange abgestellt, von der guten Lösung wie bei dem S6 (Clip und Karte) ist diese Neuerscheinung wieder weit entfernt. Das Akku aufzusetzen fällt auch nicht besonders leicht, die Führung ist recht ungenau und schwergängig. Das Akku zu entfernen ist schier unmöglich, ob mit Clip oder ohne ist das Betätigen des Freigabeknopfes eine Zumutung, abgebrochene Fingernägel noch die harmloseste Nebenerscheinung, kurzum eine glatte Fehlkonstruktion. Ein langer Druck auf den Einschaltknopf aktiviert die Einwahlprozedur. Nach dem Willkommen-Bildschirm wird dann die Pinnummer der Karte eingetragen. Normalerweise, denn bei diesem Gerät schaltete sich ein LED erst grün, dann rot und danach blockierte die Tastatur bei erleuchtetem, leerem Display und es bleibt nichts übrig wie das Akku zu entfernen, wieder einzuschieben und nächster Versuch. Nach dem vierten oder fünften Mal, klappt es dann auch und solange das Handy eingeschaltet bleibt funktioniert es einwandfrei. Dies sei ein Defekt und das Gerät wird ausgetauscht heißt es bei der Siemens-Hotline. In der Zwischenzeit wird der Test mit einem privat geliehenen S15E weitergeführt, denn Siemens-Service schaffte es nicht innerhalb von 14 (vierzehn!) Tagen ein funktionierendes Austauschgerät zu beschaffen.

@-Z‹:

Hightech-Folter: Akkutausch und Kartenwechsel!

Der Akku ist im Auslieferzustand nur teilgeladen und muß mit dem beigelegten Ladegerät auf volle Leistung gebracht werden. Beim Laden wird der Anwender im dunkeln gelassen in wie weit sich das Akku geladen hat. Anstatt wie in der Betriebsanleitung beschrieben entsprechend dem Ladezustand, blinkt die Ladeanzeige stundenlang von leer auf voll, erkennen läßt sich daran überhaupt nichts. Da auch im "Handbuch" nichts über Ladedauer oder –systematik steht, kann nur das Entfernen des Ladesteckers den Status anzeigen, für die Lebensdauer des Stromspeichers bestimmt nicht förderlich. Ein Lithium-Ionen-Akku ohne Memory-Effekt bietet Siemens erst gar nicht an, für ein Reisehandy mit Gewichtsproblemen, 185 Gramm (ohne Akku!), eine Todsünde. Wer nun erwartet, daß das knapp 700 Mark teuere Gerät mit ergonomischen Highlights, zukunftsweisendem Design oder einfacher Bedienung brilliert wird auch enttäuscht. Was es kann, zeigt es auf der Fahrt durch Skandinavien. Flexibel wie nie zuvor, weil automatisch, sucht es sich den stärksten Anbieter und bucht sich in dessen Netz ein. Im Grenzgebiet zwischen Norwegen und Schweden wechselten die Provider mehrfach, ohne daß auch nur ein Tastendruck nötig war. Das manuelle Einbuchen mit Länderkennung und Netzkennzahl gehört beim S15E der Vergangenheit an. Die Gesprächsqualität ist hoch, die Stabilität der Verbindung sehr gut, sogar ein Tunnel durch 300 Meter norwegisches Qualitätsgebirge ließ die Sendeleistung gerade mal um einen Punkt sinken. Keine einzige abgebrochene Verbindung konnte auf über 1000 Testkilometern festgestellt werden. Aufgrund der vorher beschriebenen Unzulänglichkeiten eine echte Überraschung. Allerdings tauchte ein weiterer Bug auf, das Siemens-Gerät schaltet sich manchmal ohne ersichtlichen Grund ab. Stellen Sie sich vor, Sie erwarten einen Anruf...! Das defekte Gerät hatte den Vorteil auch gleich den Siemens-Service zu testen. Noch in Deutschland schafften es die Siemens-Leute nicht zwischen Kauf und Abreise, immerhin 14 Tage ein Austauschgerät zu beschaffen. Nach kurzer Reaktionszeit und Austauschzusage des Komplettgerätes, wollte Siemens nach zwölf Tagen nur noch das Gerät selbst tauschen, obwohl augenscheinlich Akku und/oder Ladegerät ebenso defekt sind. Wer möchte schon neu gegen alt tauschen? Aber selbst dies traf nicht rechtzeitig ein. Beigelegt ist ein Kärtchen mit den Hotline-Rufnummern des internationalen Siemens-Service, letzte Hoffnung für Auslandsreisende. Nachdem am zehnten und elften August überhaupt kein Durchkommen in Stockholm war, teilte uns ein freundlicher Schwede mit, daß dieses Handy in Schweden nicht verkauft wird und somit auch kein Austausch möglich ist. Glückliche Schweden, aber keine Chance ein S15E zu bekommen. E-plus-Service bot zwar einen Austausch an, aber nur in Deutschland, da German Parcel nicht nach Schweden liefert, auch das hilft einem Reisenden mit Kommunikationsproblemen nicht. So what? (kew)

 

((Kasten))

@-DZ: kurzinterview

@-Z‹: Zum geplanten Kurzinterview mit Dr. Wegener oder Frau Kirchner bei Siemens:

@-BT:

Die Konstrukteure des S15E sollten zur Strafe einen Tag lang Akku und Karte wechseln. Können die Mängel in dieser Serie überhaupt noch ausgemerzt werden?

Keine Stellungnahme.

Der Support ist den Anforderungen Mobilfunkreisender weltweit noch nicht gewachsen. Wie wollen Sie zukünftig verfahren?

Keine Stellungnahme.

Für das S15E ist derzeit kein Lithium-Ionen-Akku vorgesehen. Aufgrund des Gewichts und des Fehlers beim Akkuladen ist es für Reisen kaum geeignet. Wer sollen die Käufer des S15E sein?

Keine Stellungnahme.

Gibt es für enttäuschte Kunden eine Rückgabemöglichkeit oder zumindest die Möglichkeit das S15E gegen ein verbessertes Nachfolgemodell später einzutauschen?

Keine Stellungnahme.

 

 

((Bewertungskasten))

@-DZ: KURZGEFASST

@-BT: Das Siemens S15E ist ein Dualband-Mobiltelefon für E und D-Netzbetrieb mit guter Sendeleistung und Sprachqualität. Aufbau, Bedienung und Komfort sind unterdurchschnittlich und dem Preis nicht angemessen. Eine Unterstützung im Ausland ist nicht gegeben, der Service für das zeitsensitive Handy-Klientel ungenügend. Das fehlende Lithium-Ionen-Akku und Fehlfunktionen im Betrieb machen das S15E zu einem Klotz am Bein. Kundenärger ist hier vorprogrammiert.

ANBIETER: Siemens AG, Private Kommunikationssysteme, München

http://www.siemens.de

PREIS:

VK: 579 Mark

EK: 498 Mark

alle Angaben zzgl. MwSt.

VERTRIEB/DISTRIBUTOREN:

Siemens-Vertriebspartner, E-plus-Service

WERTUNG:

Gerät: 4-5

Lieferumfang: 2-3

Ease-of-Use: 5

Händlersupport: 5

CP-TIP: 4-5

@-BU: Nur auf Wunsch anbieten: Siemens S15E Dualband.