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Erstellungsdatum: Februar 2000

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Fremdautor: Karl-Erich Weber

Bemerkungen:Bericht: CeBIT 2000 Händler Halle 10

 

 

 

 

@-DZ10:CEBIT 2000

 

@-HD24:

Halle 10 -

Händlermekka oder Trauma

 


 

@-VOR-RRubrik:MÜNCHEN:

@-VORSPANN:Beim diesjährigen Messevorgeplänkel ging der Disput um die Händlerhalle 10. Das Hin und Her mit den Großdistributoren wie Ingram Macrotron oder Computer 2000 bezog sich hauptsächlich auf das ungeliebte Gebäude. Was ist denn so schlimm an Halle Nummer Zehn. ComputerPartner sah sie sich mit den Augen des Händlers an.


@-BT:Auf dem Plan befindet sich Halle 10 nicht schlecht gelegen. In der Nähe der attraktiven Halle 9 am Eingang Süd, doch der wird nicht mehr so stark genutzt. Die Besucherströme verteilten sich mehrheitlich auf die Eingänge 1 im Norden und West 1 mit der Anbindung zum Messebahnhof per bequemen Skywalk. Wer gar von der Expo-Allee die gewünschten Hallen ansteuerte, könnte die Zehn glatt übersehen, liegt sie doch zurückgesetzt, trotz ihrer Höhe geradezu versteckt. Für eine Händler-Halle nicht ungewöhnlich, ist es doch auf der Systems ebenso. Der Eingang zur Halle ließ eher den einer U-Bahn-Station denn eines Handels-Mekka vermuten. Kalt, dunkel und abweisend im Vergleich mit den anderen Gebäuden mochte die rechte Lust auf der dichtgedrängten Rolltreppe nach oben zu fahren nicht aufkommen. Ein Hot-Dog-Stand samt zugehöriger Schlange, Infoschalter, Garderobe und ein Postbankschalter, das war das Erdgeschoss. Im ersten Stockwerk befand sich noch der Netzwerkrest von Halle 11, der Händlerbereich begann ab der zweiten Etage. Kaum der Rolltreppe entronnen fällt der Blick auf Dangaard International. Durch die Laufrichtung der Masse waren sie der erste Action-Stand und schafften es durch moderierte Online-Auktionen und zwei Massagebänke das Publikum anzuhalten.

 

@-ZÜ:ACTION GEGEN TROSTLOSIGKEIT

 

@-BT:Entsprechend zufrieden auch die Gesichter beim Großhändler für Telekommunikationsprodukte. Das Licht der Stände erhellte die niedrigen Decken in den Etagen einigermaßen. Dennoch war das Gelb des Comteam-Areals unübersehbar. Während von außen nur ein kurzer Blick auf die Vitamin-Bar ersichtlich war, blieb es im inneren, vorgecheckten Bereich relativ leer, obwohl draußen der Bär steppte. Für die nach eigenen Angaben Nummer eins der Händlergemeinschaften, soll an anderen Tagen mehr zu tun gewesen sein. Ob es an der Vorauswahl der Händler lag oder den Einstiegsbedingungen? Mit vier Mitarbeitern, einer Million Mark Umsatz und zwei Jahre Existenz, braucht es da noch eine Kooperationsmitgliedschaft oder sollte es nicht eher eine geben um dahin zu kommen Zumindest lag es nicht an der annähernd 100.000 Mark teueren Direktmailing-Aktion zur Vor-CeBIT-Zeit. Ein Platz zum Erholen ist es allemal gewesen.  

In der gleichen Ebene hatte sich auch die Ntplus mit einem abgeschirmten Händlerbereich niedergelassen. Nach Abgabe der Visitenkarte erhielt der neugierige Händler Einblick in das Angebot des TK-Distributors. So ziemlich alles was Rang und Namen hat war dort mit eigenen Ständen vertreten. Hier wurde das Portfolio optimal auf Händlerbedürfnisse präsentiert, Zeit und Ansprechpartner waren verfügbar, ebenso Sitzgelegenheiten. Entsprechend stark war auch die Händlerfrequenz und die Zufriedenheit bei Ntplus.

 

@-ZÜ:AUCH IM DRITTEN IDEEN GEFRAGT

 

@-BT:Im Dritten fand sich ebenfalls vorwiegend Zubehör und TK. Die Michael Telecom, eine frischgebackene Händler AG für Telekommunikation und Systeam einem Drucker und Zubehörlieferanten waren noch die bekanntesten. Ähnlich wie im Stockwerk tiefer siegten auch hier die Produkte über Dienstleistung. Wo Handelswaren ausgestellt wurden, war der Zulauf höher, es sei denn etwas Besonderes lockte. Die äußerst hautlastige choreographische Performance bei Dynatec gehörte zweifellos zu den Highlights auf Ebene drei. Zugegeben war es recht schwierig für gewogenes Publikum zu sorgen, da ständig die Rolltreppe ausfiel. Im vierten Geschoß rangen vorwiegend Software und Zubehör um die Gunst des Händlers. Organizer, Übersetzer und Stiftscanner, allerlei Organisationsmaterial wie CD-Boxen, Druckerständer boten die Spezialdistributoren für Bürozubehör. Mit Software zum Lernen, Bilden, Informieren beschickten Brockhaus, Duden, Meyer, Hexaglot, Langenscheidt und Systema/Navigo das Hamburger Medienhaus.

 

@-ZÜ:DER KLEINSTE STAND WAR DER NETTESTE

 

Die Kindersoftwareschmiede Tivola, bekannt vor allem durch Max, Oscar und den TKKG-Adaptionen hat mit dem fernsehbekannten Simsalagrimm und zwei Umsetzungen aus der traditionellen "Was ist Was"-Reihe designierte Verkaufsschlager vorgestellt. Die alljährlich mit Bestnoten bewerteten gewaltfreien und pädagogisch wertvollen Spielgeschichten für vierjährige und darüber, wurden auf dem wahrscheinlich kleinsten Stand der CeBIT mit noch nicht einmal zwei Metern Breite präsentiert. Nicht alles was gut ist, muss 500 Quadratmeter groß sein. Dieser kleine, freundliche Stand war das Highlight auf Ebene vier.

Den stärksten Kontrast fand der Job-Abenteuerer im fünften und sechsten Stock der berüchtigten Halle. Die Headhunter und Personalagenturen residieren normalerweise weitab vom Lagerhallenimage das es hier nun einmal hatte und so traf feinster Zwirn auf grauen Beton und verirrte Tütenläufer. Wer aus dem geschmacklos nüchternen Rolltreppenaufgang in die Welt der 120.000 Mark plus x Jobs eintrat, brauchte eine gehörige Motivation um nicht gleich wieder umzukehren. Kein Ambiente um verwöhnte IT-Yuppies zu umgarnen, die absolute Fehlplatzierung auf dieser Messe. (kew)

 

@-BU:10eing.jpg:Das Entree, kalt, grau, ungemütlich.

 

@-BU:dang102.jpg:Massage und Auktion - Balsam für geplagte Gucker.

 

@-BU:104ti.jpg:Der wahrscheinlich kleinste Stand der CeBIT - Tivola.

 

 

((Kasten))

 

@-DZ: KOMMENTAR

 

@-BT:Das Hin und Her um die Halle 10 kam nicht von ungefähr. Verständlich aus der Sicht der Messeorganisation, dass auch unschöne Hallen belegt sein müssen, aber ausgerechnet vom Zwischenhandel. Mehr als einsehbar ist nun das Verhalten der Großdistributoren, die aus Protest offiziell der CeBIT 2000 fernblieben.  Bleibt der Messeleitung zu wünschen, dass sich bald ein Verwendungszweck für die Halle 10 findet. Sicherlich wussten die alten Hasen Ingram Macrotron und Computer 2000 um die mangelnde Attraktivität und das schlechte Image des Gebäudes. Wer im direkten Kontrast die Nachbarhalle neun mit allen Vorteilen betrachtet, muss befürchten sich vor seiner europäischen Klientel und den weltweiten Geschäftspartnern zu blamieren. Anderweitig residierende Distributoren zeigten neben Kopfschütteln zur Halle 10-Frage klammheimliche Hoffnung ein wenig Potential den Ferngebliebenen abwerben zu können. Eigenveranstaltungen wie Hausmessen müssen diesjährig das verlorene Messegeschäft ausgleichen. Ob es ein Nachteil für die Händlerkundschaft und ihre Lieferanten war oder wird bleibt zu beobachten. (kew)