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Erstellungsdatum: 09. Juni 1998

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Fremdautor: Karl-Erich Weber

Bemerkungen:

 

 

@H36:

Terratec EWS 64 S – Die mit dem Koffer!

@V-R:

@V: Wenn ein erfolgreiches Produkt mit einer "light"-Version aufwartet muß mit allem gerechnet werden. Das haben Economy-, Value- oder SX-Ausgaben oftmals bewiesen. Ein Alukoffer als Beigabe einer abgespeckten Version ist allerdings neu. Ob sie ihrem professionellen Outfit gerecht wird oder einfach nur auffallen will?

@IN3: Das Öffnen des Koffers bringt eine sauber verarbeitete 16-Bit-Steckkarte in halber Länge zum Vorschein die sich somit auch auf kompakten AT-oder ATX-Platinen ohne Probleme einstecken läßt. Installations-CD, Handbuch, Line-Kabel zum Anschluß an Stereoanlagen mit Cinch, Garantie- und Serviceunterlagen sowie eine Demo-CD mit Tools und Shareware. Die Karte selbst hat zwei Stereo-Line-Ausgänge, einen Line- und einen Mono-Mikrofon-Eingang, sowie einen kombinierten Joystick/MIDI-Port auf der Außenseite, intern für CD-Rom und Speaker, sowie für PS/2-Speichererweiterungen, den optionalen Digital-Ein- und Ausgang und das ebefalls optional erhältliche Radiomodul.

@BT: Über Transportschäden angesichts eines schaumstoffgefütterten Alukoffers zu spekulieren entfällt sicherlich. Die EWS wirkt nicht nur anspruchsvoll, sie ist es auch. Ohne Pentium 100, 16 MB Ram und Windows 95 läuft gar nichts. Falls ISDN, Scanner oder Netzwerkkarten im PCI-System bereits vorhanden sind, sollte spätestens jetzt die Nachdenkphase ob der freien I/O, IRQ und DMA-Adressen beginnen. Leider sagt das sonst recht informative Handbuch nichts über Standardeinstellungen oder der minimal notwendigen IRQ´s, also muß es Plug+Pray schon richten. Der CD-Rom-Audioanschluß ist zwar nach IDE-Norm belegt, allerdings passen die meist nach ATAPI-genormten CD-Rom-Verbindungen nicht ganz, so daß User mit etwas Nachdruck durchaus Schaden anrichten können. Statt umbiegen sollte einfach ein passendes Kabel beiliegen. Auch der Midi-Adapter sollte bei einer UVP von 369,-DM beiliegen, ein entsprechendes Teil der Konkurrenz tat es hier auch. Das Plug&Play erkannte die EWS 64 S nach dem Einschalten des Rechners installierte die Treiber und konfigurierte die Soundkarte korrekt. Da kartenseitig ein Endverstärker fehlt, müssen Aktivboxen oder die Stereoanlage herhalten. Monitore mit eingebauten Lautsprechern müssen einen eigenen Verstärker besitzen um die Terratec-Karte hörbar zu machen.

Das beiliegende deutsche Handbuch ist sehr informativ, beschreibt Einbau und Treibereinrichtung gut, Glossar und Treiberbeschreibung sind vorbildlich. Einziger Schwachpunkt sind die ständigen Querverweise auf vorige oder folgende Seiten.

Die mit der Standardinstallation eingerichtete Steuerungssoftware verrichtet ihren Dienst und läßt sich mit der Maus mühelos bedienen. Der Mediaplayer unterstützt auch die noch immer stark verbreiteten *mod-Files ein aus der Amiga-Zeit stammendes, komprimiertes Wave-Format welches Mitschuld am entstehen der Techno-Musik hat. Die Midi-Instrumente werden ebenso vorbildlich verwaltet, wie das FX Panel Effekte auf alle möglichen Ein- und Ausgänge legt. Da allerdings muß sehr vorsichtig geregelt werden, denn eine Rückkehr zur Originaleinstellung ist nur möglich wenn diese vorher aufnotiert wurde. Eine Undo-Funktion wäre hier notwendig, zumindest aber die Möglichkeit Einstellungen abzuspeichern.

Der Klang der EWS 64 S entspricht den Erwartungen die der Kaufpreis erweckt. Audiodateien, ob *.wav oder von CD spielt die Karte in gewohnt guter Terratec-Qualität ab. Hier macht sich die Abstammung von der XL-Version bemerkbar. Für eine, den Fähigkeiten der Karte entsprechende Midi-Instrumentierung muß allerdings ein mindestens 4-MB-PS/2-SIMM-Ram-Modul nachgerüstet werden. Dies sollte kein EDO-Modul und möglichst 60ns, besser jedoch schneller sein, was die Beschaffung im Zeitalter der SDRAM-Module kompliziert. Ansonsten können die Hälfte der mitgelieferten Soundbänke nicht genutzt werden. Die beigefügte deutsche Version des Sequenzer Cubasis AV-XL von Steinberg gehört zu den Standardprogrammen der MIDI-Komponisten und besitzt alle Werkzeuge um dem Dream-Synthesizer-Chip die entsprechenden Klänge zu entlocken. Hier können sich Hobbymusiker austoben, synchronisieren, dubben, Waves einfügen, fast zu schade für reine Spieler. Die Instrumente klingen gut mit den MIDI-üblichen, bekannten Schwächen in tieferen Lagen. Da macht sich der fehlende Speicher bemerkbar.

Die als Paradies für Spieler angekündigte Karte sollte dann auch mit aktuellen Spielen unter Beweis stellen was sie kann. Gerade im heiklen Genre der Spielesoftware sollten solche Ankündigungen gut überlegt sein. "Autobahnraser" beispielsweise stürzte nach dem Vorspann gnadenlos ab. Andere wie Grand Prix 2 müssen im Soundblaster pro-Mode eingerichtet werden. Direct-Sound basierende und die General MIDI unterstützten Spiele lassen den Himmel dafür wieder näher kommen. Das ausgerechnet die Soundblaster16-Unterstützung fehlt, die den Standard der heutigen Spiele definiert, ist das einzige Manko in der umfangreichen Kompatibilitätsliste.

Zwei Jahre Garantie, Supportnummern für Fax und Telefon in Nettetal sowie Treiberdownloads via Mailbox oder Internet sind ein gutes Servicepaket für eine Soundkarte.

Einen bitteren Beigeschmack für Fachhändler enthält allerdings die TerraTec-Homepage. Dort zu Besuch empfehlen die Nettetaler als Einkaufsquelle die bekannten Kistenschieber und Cash+Carry-Märkte und haben für Händler keinen Hinweis auf Distributoren. Für ein erklärungsbedürftiges, hochpreisiges Produkt die richtigen Adressen?

 

 

 

((Kasten))

Fragen an Wim Rögels, EWS-Produktmanager bei TerraTec Electronic in Nettetal.

?Ausgerechnet der Soundblaster16-Mode wird nicht unterstützt. Wenn Spielefreaks die Zielgruppe sein sollen, ist das nicht ein Handicap?

Um eine Soundblaster16-Kompatibilität, die nur für den DOS-Bereich interessant ist zu gewährleisten, müssten wir den Konkurrenzchip auflöten.

?Der Effekte-Mixer hat keine Möglichkeit Einstellungen zu speichern. Wer sich hier die Sounds verstellt ist angeschmiert. Läßt sich da noch etwas machen?

Die Einstellungen für alle Applikationen werden im Control-Panel gespeichert. Eine für jeden Mixer unabhängige Speicherung ist überlegenswert.

?Hand aufs Herz, die Musiker werden eher die XL-Version vorziehen, die Spielefreaks, trotz Alu-Koffer das weitaus günstigere Konkurrenzprodukt. Wären da nicht MIDI-Anfänger die bessere Zielgruppe?

Die EWS 64 S ist der Nachfolger der Maestro 32/96. Es ist eine Allroundkarte für Hobbymusiker und Spieler. Die Zielgruppe wurde schon aktualisiert.

?Zu guter letzt noch die Homepagefrage. Hat TerraTec den Fachhandel nicht besonders lieb?

Oh, doch; gerade dem Fachhandel haben wir viel zu verdanken. Er hat uns groß gemacht. Die TerraTec-Seiten werden demnächst komplett umgestellt. Dann gibt es auch eine Händlerdatenbank mit PLZ-Suche.

 

((Bewertungskasten))

Die TerraTec AudioSystem EWS 64 S ist eine gute Soundkarte und mit der beiliegenden Software für den MIDI-Anfänger und Soundexperimentierer geeignet. Die Nachrüstoptionen für digitale Ein- und Ausgänge und eine umfangreiche, nachkaufbare Soundbiliothek sprechen ebenso dafür. Für den Musiker fehlen MIDI-Adapter und ein größeres On-board-Ram. Aufgrund der fehlenden SB16-Unterstützung und des stolzen Preises werden Spielernaturen diese Karte nur bedingt annehmen. Die beigelegten Tools, Demos und Sharewareproben versprechen lang anhaltenden Musikspaß, zwei Jahre garantiert. Erwähnenswert ist noch die umfangreiche Händlerunterstützung. Der Gag mit dem Koffer ist schön fürs Ladengeschäft aber es ist wie im Fußball, - Aluminium zählt nicht!

 

Hersteller: TerraTec Electronic GmbH, 41334 Nettetal

http://www.terratec.net

Distributor: Computer2000, Macrotron, Frank+Walter

Händlerhotline: (02157) 817925

Preis:

UVP: 369,-DM inkl. MwSt

EK: ca. 265,- DM zzgl. MwSt

Wertung:

Klang: 2

Software: 2-3

Lieferumfang: 3

Usability: 2-3

Support: 2

CP-Tip: 2

@STOP:n

@BU: