Kennung:

Rubrik: Forum

Zeilen:

Fotos: 0

Grafiken: 0

Erstellungsdatum: April 2001

Druckdatum:

Fremdautor: Karl-Erich Weber

Bemerkungen: Dealers Voice BTC

 

 

@-HD:Den Fachhandels-PC gibt es nicht

@-UZ:Was ein Lieferant für den Händler bieten muss

 

@-BT:Schnell, zuverlässig, flexibel und dazu noch hübsch anzusehen. Nein, keine Chefsekretärin wird gesucht, sondern die Ansprüche an einen fachhandelsorientierten PC dargestellt. Zuerst muss ein PC nach Kundenwunsch konfigurierbar sein, alles andere kann Aldi besser. Kardinalfehler Nummer eins ist es, dem Händler an der Ecke mit hohem Individualbedarf ein Faxangebot mit fünf verschiedenen PC zu schicken. Das passt so gut wie nie. Dell hat erkannt, dass Privatkunden, Selbständige und Kleinbetriebe andere Bedingungen an einen PC stellen. Dieses einfache Erkenntnis ist das Mindeste was ein PC-Lieferant bieten sollte. 200 Computer nach Kundenwunsch zu bauen ist einfach, aber zwei? Es muss angefragt werden. Einfache und überschaubare Assemblierungshilfen gibt es jedoch nur für Endkunden oder es bleibt die Auswahl zwischen schlecht und schlechter. Letztendlich wird der Fachhändler zur Anfrage per Fax oder Telefon gezwungen. Das dauert zu lange, kostet Zeit und Nerven. Ist das Angebot endlich da und deckt es sich ausnahmsweise sogar mit dem Kundenwunsch, droht der nächste Pferdefuß in Gestalt der Lieferzeit. Irgendein unverbindliches Kauderwelsch zwischen zehn und 14 Tagen, keine Rückgabemöglichkeit oder ausgefuchste Stornoklauseln, muten dem Handel mehr unternehmerisches Risiko zu als notwendig wäre. Warum müssen Händler schlechter gestellt sein als Endkunden? Zuverlässigkeit, ist nicht nur beim Liefertermin gefragt. Die Auskünfte über Verfügbarkeit, Preis, Garantie und Qualität müssen stimmen. Vorher und nachher. Man kann nicht beim Fachhandel mit Made in Germany werben und dann Geräte aus Benelux verkaufen. Oder IBM-Festplatten anbieten und Quantum einbauen. Nicht nur die Güte der Komponenten muss gleichbleibend sein. Der Kunde bestellt genau das, was er auch erhalten will. Überraschungskisten sind nichts für den Fachhändler, kommen nicht gut beim Kunden an.

 

@-ZÜ:Wo es bei Lieferanten vor allem mangelt, ist an Erfahrung

 

Flexibilität bei den Zutaten ist die Vorraussetzung für ein erfolgreiches BTC-Konzept. Warum gerade Distributoren mit ihren Hausmarken so kläglich scheitern, kann nur durch Mangel an Erfahrung und Feedback verursacht werden. Anstatt ihren Pool an Komponenten zu nutzen, bleibt es oft bei Systemgerippen, den Barebone-Gehäusen. Kaum Garantie, null Service, von CE-Sicherheit ganz zu schweigen. Ausschlaggebend für die Modellarmut ist wohl die CE-Konformitätserklärung. Wer garantiert haftet und so werden die schönsten Designgehäuse weiterhin den Hobbybastlern vorbehalten sein. Ein Fachhandelskonzept muss zumindest die Gehäuseformen Desktop, Miditower und BigTower umfassen. Die Gehäuse müssen entgratet, in guter Qualität, mit leiser Lüftung und geräuschgedämmt sein. Die Netzteile bitte mit Leistungsreserven und Trennschalter. Beim Innenleben sollte eine Auswahl von Hauptplatinen verschiedener Markenhersteller möglich sein. Genauso sieht es bei Prozessoren, Festplatten und Grafikkarten aus. Je größer hier die Auswahl ist, um so zufriedener sind Fachhändler und Kunde. Ein Hauch von Kontinuität wäre auch nicht schlecht. Die Erfahrung heute Asus, morgen Gigabyte und nächste Woche nur noch MSI ist immer dann besonders lustig, wenn gerade ein Angebot aufgrund der letzten Lieferung erstellt wurde. Bestimmte Netzwerkkarten, Brenner oder DVD-Laufwerke sollen ebenfalls möglich sein. Die BTC-Kundschaft orientiert sich an Testsiegern und beworbenen Marken. Was hat ein NoName-Laufwerk in einem 3.000 Mark PC zu suchen? Selbst Aldis Rechner wurden erst seit der Verwendung und Nennung von Markenkomponenten erfolgreich. An Betriebssystemen sollten alle Windowsversionen zur Verfügung stehen. Wer Linux will, kann es zumeist selbst installieren. Übrigens, die Recovery-CD ist eine typische Retailerkrankheit, so beliebt wie Fußpilz, der Fachhandel sollte davon verschont bleiben.

 

@-ZÜ:Gibt es den auch in Schwarz?

 

Last not least, will unser Käufer auch noch optisch eine Bestätigung für die 500 Mark Preisunterschied. Farblos plus geschmacklos ist gleich brotlos. Wie schön wäre das Händlerleben, wenn alle Rechner grau und nur die eigenen bunt wären. Der ganze technische Schnickschnack ist sicherlich wichtig, doch das Auge kauft mit. Wären alle Autos grau und im Wartburgdesign, könnten auch diese im Supermarkt gekauft werden. Mit TFT-Display sowie Maus und Tastatur vom Designer ist zwar ein wenig Kosmetik machbar, die Gehäuse der Distributoren aber auch der Hersteller sind bestenfalls praktisch, schön ist anders. Apple hatte zwar die richtige Idee, doch Plastik mag nicht jeder. Materialien wie Aluminium, Glas oder Edelstahl sind der exklusivere Weg. Was spricht gegen Holz von der CE-Bürokratie einmal abgesehen? Einen guten, schönen und seinen Preis werten Computer möchte bestimmt jeder Händler in seinem Angebot haben. Daran krankt das System mit konfigurierbaren Rechnern vom Disti oder den A-Brands. Viel zu eingeschränkt, zu oft auf Menge ausgelegt und umständliches Handling bei der Konfiguration. Kaum Kompetenz bei den Ansprechpartnern und schon gar keine Ahnung was ein Fachhandelskunde für Ansprüche an einen PC hat, kommen erschwerend hinzu. Ein fachhandelsorientiertes Konfigurations- und Bestellsystem wird zwar alle paar Wochen irgendwo angekündigt, doch ob eine ideale Lösung dabei ist, darf nach wie vor bezweifelt werden. Gute Besserung, Build-to-Customer! (kew)